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© 2011 Michael Jochum

 
Kataloge/Bücher
 
rites de passage
,
edition fotowerk, Augsburg 2001,
Buch, 60 Seiten, 29 s-w Abbildungen

16 x 23 cm, Hardcover
ISBN 3-00-006890-2


€ 25,50 + Versandkosten

Sonderedition: davon 100 mit Schuber, nummeriert

                         und signiert mit Original
selbst
Herausgegeben vom Bezirk Oberbayern,
München, 2008, Katalog

mit Text von Petra Gerschner

26 Seiten, 16 s-w Abbildungen
19,5 x 26 cm, Broschure

€ 12,00
+ Versandkosten


R.o.T.
Herausgegeben vom Haus der Fotografie,
Burghausen, 2007, Faltblatt mit Cd-Rom

6 Seiten, 5 s-w Abbildungen
21 x 27 cm

€ 5,00
+ Versandkosten


Texte und Veröffentlichungen
 
 

 

 
 

Von Martin Paulus

 

für Michael Jochum

 

Anlässlich der Ausstellung „Augen für die Dauer der Dinge“

Neue Galerie Landshut 25.April bis 17.Mai 2009

 

 

CAMERA OBSCURA Durch einen sehr schmalen Spalt im augenblauen Schleier der Vorhänge fällt der fadendünne Strahl... Eine in den Raum geworfene Träne aus Licht, die lautlose Projektion eines Zeitflecks. Schmerzpunkt Wundmal... Immer und immer wieder: jene stummen Stigmata an purpurfarbenen Wänden. Lichteinstiche in blutleeren Herzkammern.

30.9.2004

 

Katalog selbst, Hg. Galerie des Bezirks Oberbayern, 2008

Petra Gerschner

Der Künstler Michael Jochum nimmt sich selbst zum Bildgegenstand. Er ist Fotograf und Abgebildeter,  Akteur und Beobachter zugleich. In einem spielerischen Arbeitsprozess entwickelt er aus schnellen gestischen Bewegungen seine visuellen Untersuchungen der eigenen Person. Bei der Aufnahme ist Michael Jochum immer allein. Er hält die Kamera in direktem Kontakt zum Körper in seiner Hand und bestimmt den Moment des Auslösens intuitiv. Jochum hebt die Grenze zwischen Subjekt und Objekt in der fotografischen Aktion auf. Was als Bild entsteht, entzieht sich der exakten Kontrolle während der Aufnahme. Die Bildperspektiven verändern sich mit den Körperhaltungen und Bewegungen. Der maximale Abstand der Kamera zur Bildebene entspricht  seinen eigenen Körpermaßen. Aufgenommen mit einem Normalobjektiv gleichen die Abbildungen dem Blickwinkel des menschlichen Auges. Das Umgebensein von vorgefundenen Materialien an unterschiedlichen Orten bezieht  Jochum in den fotografischen Aufnahmeprozess ein. Herumliegende Gegenstände, die er als Kopfbedeckungen oder Accessoires in seine Selbstanordnungen integriert, versteht er als Verlängerung des Körpers im Raum oder als Gebilde, die sich vor den Blick stellen und die Außensicht verwehren. Das Experiment ist wichtig. Jochum verfolgt mit seinen Porträts keine identitären Festschreibungen. Er geht Spuren nach, die sich andeuten und lotet die Vielfalt der Möglichkeiten und Zustände aus. Seine Bilder sind entkoppelt  von persönlicher Erinnerung, die nicht übertragbar ist. Selbst ist Teil einer umfassenden fotografischen Arbeit, die der Künstler immer wieder in neue bildsprachliche Zusammenhänge stellt und verändert. In den Bildern geht es um Leben und Tod und Zwischenräume - feinfühlig, schonungslos, existentiell. Petra Gerschner


 

 

FAZ 10.12.2001  Berliner Seiten



ENNO KAUFHOLD

Dickicht von Undurchschaubarkeiten

Michael Jochums Fotografien halten „Übergangsriten" fest

 

Die Abbildgenauigkeit, diese „unnach­ahmliche Treue" der Fotografie, von der einst Alexander von Humboldt sprach, sie machte den künstlerisch Ambitionierten lange Zeit Probleme. Inzwischen können die technisch gewonnenen Abbilder - wie der Kunstmarkt zeigt - gar nicht groß und in ihrer optischen Präzision nicht scharf ge­nug sein, gleichwohl bleibt die grundlegen­de Frage nach der Transzendenz, die dem Ansichtigen erst künstlerisch-ästhetischen Rang verleiht. Der Fotografie sind Symbo­le, Allegorien und Metaphern zwar nicht fremd, als tradierte Ausdrucksformen aber weit weniger selbstverständlich, als den seit nunmehr Jahrhunderten praktizierten Bild­medien der Kunstgeschichte mit ihrer tra­dierten Ikonografie und Ikonologie.

Es gehört zur Auffälligkeit der fotografi­schen Bilder von Michael Jochum, daß ihm diese Gratwanderüng zwischen bild­hafter Konkretion wie transzendierender Abstraktion scheinbar mühelos gelingt, obwohl seine Bildserie mit anspruchsvol­lem Titel daherkommt. „Rites de passage" nennt er seine Ausstellung in der Giedre Bartelt Galerie in Charlottenburg sowie ein kleines Fotobuch - ein Titel, den er von dem französischen Völkerkundler und Anthropologen Arnold van Gennep entlehnt hat, der 1909 in Paris sein be­rühmtes Buch mit dem Titel „Les Rites de Passage" herausbrachte.

Mit dem Begriff der „Übergangsriten" beschrieb er solche Riten, die einen Über­gang in einen neuen Lebensabschnitt oder eine neue Gemeinschaft begleiten. So mar­kiert die Konfirmation als kirchlicher Ri­tus den Übergang, bei dem Jugendliche formell in den Kreis der Kirchengemein­schaft aufgenommen werden und die Tren­nung von der Kindheit vollziehen, mit nachfolgender mentaler Umwandlung und Anpassung an das Erwachsenendasein.

Michael Jochum, der 1953 in Wien ge­boren wurde und seit Ende der siebziger Jahre als Autodidakt fotografiert, über­setzt diesen Grundgedanken der „Über­gangsriten" in eine generelle Metaphorik des Lebens und des Todes. Der unmittel­bare und überaus fesselnde Eindruck sei­ner Fotografien, die sich unpassepartou-riert in schwarzen Rahmen gefaßt und in Gruppen gegliedert über die beiden Ga­lerieräume verteilen, kann nur als düster, bedrohlich, aber zugleich als geheimnis­voll bezeichnet werden. Aus dem Dunkel des vermeintlichen Universums blitzt Licht auf, das Leben spendet, einen Men­schenkörper formt, der sich sogleich als höchst verletzbar erweist. Ein Blütensten­gel gerät zum Synonym biologischer Fruchtbarkeit, zu einer Fruchtbarkeit, die im 'nächsten Bild schon wieder dem Tod nahe steht. Der Mensch in seinen gei­stigen wie körperlichen Merkmalen nimmt vollends Gestalt an, bleibt jedoch verwundbar und hat auch sonst durch ein Dickicht von Undurchschaubarkeiten zu gehen. Auf dieser Bahn erfolgt die biolo­gische Reproduktion, das Kind als ein Quell der Freude und der Lichtseiten. Dann die tägliche Reproduktion mit Kör­perpflege und Hausputz. Am Ende der organische Zerfall menschlicher Kreatur. So oder so ähnlich lassen sich die verba­len Subtexte vom Werden, Sein und Ver­gehen in seinen Bildern lesen.

Stilistische Anregungen bekam Micha­el Jochum, wie er in seiner Biographie be­tont, von Michael Schmidt, bei dem er 1988 in Salzburg an einem Sommerkurs teilnahm. Seitdem arbeitet er als frei­schaffender Fotograf. 1995 gründete er in Augsburg das „Fotowerk", wo er seitdem Workshops durchführt und Ausstellun­gen einrichtet. Die zunächst ohne spezifi­schen Themenzusammenhang in den Jah­ren von 1994 bis 1998 real vorgefunden, inszenierten oder aber von existierenden Fotografien reproduzierten Motive mit teils anamorphotischen Effekten schwel­gen in mystischen Grau- und Schwarztö­nen, wie sie in dieser Differenzierung nur das fotografische Silber hervor­bringt.ENNO KAUFHOLD

Giedre Bartelt.Galerie, Wielandstraße 31, Charlot­tenburg, Dienstag bis Freitag 14 bis 18.30 Uhr, Samstag 11 bis 14 Uhr, bis 22. Dezember.